DE | IT | LAD
Detail avatar
Ganz verdreht hing ich im Seil, aber der Lift hat mich gnadenlos auf Spur gebracht. So ein Schlepplift reißt mit, er zieht aus uns, hinaus uns, zieht hinter sich her: Die Zeit kennt nur eine Richtung, die nicht die meine ist. Aus: MAULTASCH
Martin Plattner

Martin Plattner wurde 1975 in Zams geboren und wuchs in Wenns im Pitztal auf. Er studierte Komparatistik an der Universität Innsbruck und lebt als Dramatiker in Wien. Für die Arbeit an seinem Kammerspiel „Maultasch“ erhielt Plattner das Große Literaturstipendium des Landes Tirol 2013/2014. Das Stück wurde im November 2015 am Landestheater Innsbruck uraufgeführt. Sein Theatertext „antimortina“ wurde 2015 zum Siegerstück der Bozner Autorentage gekürt und im März 2017 an den Vereinigten Bühnen Bozen uraufgeführt. Weitere seiner Arbeiten wurden u.a. am brut im Künstlerhaus in Wien und im Laboratorio Arte Alameda in Mexiko-Stadt gezeigt. Neben seiner Schreibtätigkeit arbeitete Plattner mehrere Jahre als Dramaturg, Regieassistent und Ghostwriter.

Die Aufführungsrechte liegen beim Thomas Sessler Verlag.

www.martinplattner.net

Foto © David Payr

 
Auszeichnungen (Auswahl):

2017/2018 DramatikerInnenstipendium der Literar-Mechana

2015 Erster Preis Bozner Autorentage

2013/2014 Großes Literaturstipendium des Landes Tirol

2011 DramatikerInnenstipendium des BMUKK

 

Aufführungsverzeichnis (Auswahl):

FERNER

UA: 4. März 2018 / Tiroler Landestheater Innsbruck / Regie: Elke Hartmann

ANTIMORTINA

UA: 4. März 2017 / Vereinigte Bühnen Bozen / Regie: Alexander Kratzer

MAULTASCH

UA: 15. November 2015 / Tiroler Landestheater Innsbruck / Regie: Philipp Jescheck

ZA: November 2017 / Theater in der Altstadt, Meran / Regie: Joachim Goller

UM : HAUSEN

UA: 24. Juni 2014 / Freies Theater Innsbruck / Regie: Martin Zistler

WHO SHOT THE PRINCESS?

UA: 27. November 2010 / brut im Künstlerhaus, Wien / Regie: Gin Müller

WA: September 2011, bestOFFstyria, Graz und Laboratorio Arte Alameda, Mexiko-Stadt

EYULITA EXHBTD.

UA: 15. November 2009 / Off-Theater, Wien / Regie: Martin Zistler

ALICE

UA: 11. Februar 2004 / Kosmos Theater, Wien / Regie: Isabella Feimer

 

 

 


+ Leseprobe

MAULTASCH

von Martin Plattner

(Aus dem Prolog)

 

Margarete:

Jetzt machen Sie sich ein Bild, machen Sie sich doch ein Bild von mir! Was? Sie fühlen sich jetzt schon gestört? Na, das verstört mich aber. Kaum sagt man ein Wort und was passiert? Man stört, aber schon wie. Ja, tut mir leid, ich wollt Sie stören nicht, ich stör mich selbst genug! Im Grunde ist meine mich selbst und andere störende Verstörtheit auch schon das Einzige, was ich noch hervorbring aus mir. Dabei hätte mein Dasein einmal begonnen versprechend so viel! Ich hatte früh angefangen mit dem Sprechen und mit dem Etwas- sagen-Wollen, glaubte zumindest, dass ich was zu sagen hab, ganz ungestört hab ich mich dem Glauben an mein Sagen hingegeben, hab mich ihm verschrieben – leider wurd ich zurechtgewiesen von der Zeit. Die Zeit ist meistens eine wirklich schlecht gelaunte Zeitgenossin. Der Zeit muss das, was man zu sagen hat, schon auch grad in die Zeit passen, darf sie kosten nicht viel. Diese ungeduldige Zeit will immer nur einen Anstandskoster nehmen; was mehr ist: zu viel. Lieber lässt sie einen fallen, die Zeit, sie lässt sich etwas einfallen, damit sie einen fallen lassen kann, damit sie einen aus sich herausfallen lassen kann, die tut ja schon so, als wär sie ein Lift! Aus dem fallen jährlich auch mehr als genug Leute raus. Und wer nicht zufällig rausfällt, der lässt sich was einfallen, damit er rausfallen kann. Ich verachte dieses Transportwesen. Dieses Wesen hat mit mir und meinem Zeitverständnis auch nichts zu tun. Das hat es zu meiner Zeit gegeben nicht. Da musste schon viel Zeit vergehen, bis es erfunden war, bis es sich in der Zeit ein- und wiederfinden konnt. So und jetzt hab ich den Faden verloren, jetzt hab ich den billigen Faden verloren, der mich in die Zeit zurückziehen will, dabei hab ich mich längst abgeseilt, nein, bin vom Faden abgeseilt worden, wie etwas, das stört.