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Mit beiden Lungen hecheln. Der saure Hauch des Lebens in mir.
Miriam Unterthiner

Miriam Unterthiner, geboren 1994 in Italien, lebt in Wien und Südtirol. Studium der Germanistik, Philosophie, Deutsche Philologie sowie der Sprachkunst in Innsbruck und Wien

2017 gewann sie die Bozner Autorentage, Kategorie Prosa. Im Folgejahr wurde sie in das DramatikerInnen-Förderprogramm der uniT „Wiener Gruppe“ aufgenommen. Ihre erste Uraufführung folgte 2020 mit dem musikalisch inszenierten Sprechtext Mein Brenner. Mit Der Mann, der im Brunnen saß und da lag und da war und da war ist sie für den Retzhofer Dramapreis 2021 nominiert. Der Prosatext An den Scherben erkennt man den Topf ist für den Literaturpreis der Gruppe 48 nominiert.


+ Proa de letura

Man kann das Tragische nicht nur er_tragen, sondern auch in_sich_tragen.

 

Das Mensch ohne Namen: Es tobt, das Menschenmeer.

Ihr wollt es nicht, das Menschenmeer.

Es überrollt, das Menschenmeer.

Ihr seht es, das Menschenmeer.

Es ist Gefahr, das Menschenmeer.

Ihr versteht es nicht, das Menschenmeer.

Es ist bald nicht mehr, das Menschenmeer.

  

Ihr benennt es um, das Menschenheer.

Es ist böse, das Menschenheer.

Ihr versteckt es, das Menschenheer.

Es droht zu platzen, das Menschenheer.

Ihr geht ihm nicht auf dem Grund, dem Menschenheer.

Es wird immer mehr, das Menschenheer.

Es sucht ein Ende, das Menschenheer.

Und ihr lässt es sinken, euer Menschenmehr.

 

 

││: europa.

Und du.

Du sinkst.

europa, du sinkst mit.:││

  

Und alles, alles wird eins.

 

 

Ausschnitt aus: Das Mensch ohne Namen

││: Ein Zerbrech-Stück │ Ein Zer-Sprechstück :││